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Ein Vorher-Nachher-Vergleich der 13 heimlich vorgenommenen Änderungen

Am 17.04.2012 lehnten die Herausgeber der IASLonline meine Beschwerde wie folgt kategorisch ablehnt: „Wir können Ihnen versichern, dass die Rezension durch die Fachreferentin und die Herausgeber mit der bei IASLonline üblichen Sorgfalt und nach den bei uns geltenden wissenschaftlichen Standards betreut worden ist.“ Am 25.04.2012 wurde ohne jegliche editorische Anmerkung und Änderungshinweis in der bereits veröffentlichen Rezension in der peer-review Onlinezeitschrift „Internationale Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur“ (IASLonline) dreizehn anscheinend als notwendig erachtete Korrekturen vorgenommen, um die äußere Form zu wahren und sich keiner Blöße zu geben. Erst nach 18 Monaten und nachdem auch Beschwerden beim Deutschen Presserat und beim Ombudsmann der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingereicht wurden, die trotz ihrer formalen Ablehnung meiner Beschwerde, möglicherweise in der internen Kommunikation mit der IASLonline sie auf die Unhaltbarkeit dieser manipulativen Korrekturmethode aufmerksam gemacht haben:

„Die nachfolgende Besprechung ist die zweite Fassung einer Rezension, die am 10.3.2012 veröffentlicht und am 25.04.2012 aufgrund von Hinweisen des Rezensierten an wenigen Stellen korrigiert wurde. Wir wollen hiermit dem Vorwurf einer ‚Retuschierung‘ begegnen. Daher veröffentlichen wir nach mehr als 2100 publizierten Rezensionen erstmals in der Publikationsgeschichte von IASLonline zwei Fassungen einer Rezension. Aus technischen Gründen wird auch in dieser Version das ursprüngliche Publikationsdatum, der 10.03.2012, angegeben. Hier handelt es sich jedoch um die Version vom 25.04.2012. Dies ist der Link zur Fassung vom 10.03.2012: http://www.iaslonline.de/index.php?vorgang_id=3753“.

Als das Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin die Herausgeber der IASLonline zu dieser absolut intransparenten Arbeitsweise befragten, erklärte die IASLonline zähneknirschend, dass „unser Verfahren hier ungeschickt war“. Das ist natürlich eine grobfahrlässige Verharmlosung, da bereits Studierende wissen sollten, dass die Verwendung unmarkierter Korrekturen nach dem Erscheinen einer wissenschaftlichen Online-Publikation ein absolutes no-go darstellt und einer Textmanipulation gleichkommt. Der Einzug dieser unzulässigen Methode würde das System wissenschaftlicher Online-Zitationen ad absurdum führen. Bereits jeder ernstzunehmende Blog hat daher nicht nur eine Update- und Korrekturnotizzeile, sondern markiert Korrekturen und Ergänzungen durch Streichung und farbliche Unterscheidung im Fließtext, um durch Übersichtlichkeit eine gewisse Transparenz zu ermöglichen. Damit wissenschaftliches Zitieren und damit auch die Überprüfbarkeit von Online-Quellen gewährleistet ist, muss auch die kleinste Änderung lückenlos dokumentiert werden. Das ist bei der hier von der IASLonline verwendeten Methode nicht gegeben und für eine Wissenschaftszeitschrift ein Armutszeugnis. Statt Transparenz und kritische Aufarbeitung geht es ganz offensichtlich nur um Schadensbegrenzung und die scheinbare Einhaltung von Formalitäten, die aber keine Einhaltung wissenschaftlicher Mindeststandards darstellen. Übersicht über die Änderungen im Fließtext.

Die unten aufgeführten Änderungen stellen nur die aller notwendigsten formalen Korrekturen dar. Für ein Gesamtverständnis der Rezension müssen aber auch andere Kontexte wie Auslassungen, weitere sachliche Fehler, unhaltbare Unterstellungen, einseitiger Framing und unausgeglichene Interpretationen einbezogen werden. Siehe Mehr als eine abgründige Rezension? Ausführliche Entgegnung und Begründung

Übersicht der retuschierten Korrekturen

Alt = Stand beim Erscheinen am 10.03.2012
Neu = Stand nach der heimlichen Korrektur am 25.04.2012

  1. Inhaltliche Korrektur
    Weitere Belege
    Einen weiteren Beleg
  1. Inhaltliche Korrektur mit neu eingefügter Fußnote
    entnimmt er aus einem »Universallexikon der Sittengeschichte und Sexualwissenschaft« und aus dem »Bilder-Lexikon der Erotik« (S. 121 ff.).
    entnimmt er aus einem »Bilder-Lexikon der Erotik«6 (S. 121 ff.).
    Anmerkung: Die alleinige Nennung des Kurztitels hat zur Folge, dass Unkundige die Quelle für suspekt halten werden.
  1. Inhaltliche Korrektur
    Auch in einem dubiosen Werk
    Auch in einem für sprachhistorische Fragestellungen auf den ersten Blick dubiosen Werk
  1. Veränderte Fußnote
    Deutschen Fremdwörterbuch 6
    Deutschen Fremdwörterbuch 7
  1. Grammatikkorrektur
    führen
    führt
  1. Rechtschreibkorrektur
    Zaimoglu
    Zaimoğlu
  1. Korrektur eines Zitationsfehlers
    »Signifying Processes« (S. 41, S. 259 ff.)
    »Signifying Practices« (S. 41, S. 259 ff.)
  1. Rechtschreibkorrektur
    Zaimoglu
    Zaimoğlu
  1. Grammatikkorrektur
    geehrt fühlen.
    geehrt zu fühlen.
  1. Veränderte Fußnote
    Diskussion gelohnt. 7
    Diskussion gelohnt. 8   
  1. Neue Fußnote mit neuer Literaturangabe
    6  Bastard. In: Deutsches Fremdwörterbuch. Bd. 3, Berlin: de Gruyter 1997, S. 207–212, hier S. 207.
    6 Vgl. Bilder-Lexikon der Erotik, 10 Bde., hrsg. vom Institut für Sexualforschung in Wien. Hier Bd. 1: Bilder-Lexikon der Kulturgeschichte: ein Nachschlagewerk für die Begriffe und Erscheinungen auf dem Gebiete der Kulturgeschichte, Sittengeschichte, Folklore, Ethnographie … Wien [u.a.]: Verlag für Kulturforschung 1928.
    Anmerkung: Obwohl der Rezensent erst durch meine Hinweise den Hintergrund dieser Quelle erfahren hat, die er als „dubioses Werk“ beschrieben hat, zieht er es hier vor die antiquiert erscheinende Originaledition aufzuführen. Dieses Lexikon wurde aufgrund seiner Bedeutung als einzigartiges Referenzwerk in einer neu editierten Ausgabe in der Digitalen Bibliothek herausgegeben. Die von mir verwandte Quelle lautet: Bilder-Lexikon der Erotik. Universallexikon der Sittengeschichte und Sexualwissenschaft (1999 [1928-32]). Hg. v. Institut für Sexualforschung in Wien. Digitale Bibliothek. Bd. 19. Berlin: Directmedia.
  1. Veränderte Fußnote
    7  Mary Douglas: Purity and Danger. An Analysis of Concepts of Pollution and Taboo (1966). London: Routledge 2004, S. 44 f.
    7  Bastard. In: Deutsches Fremdwörterbuch. Bd. 3, Berlin: de Gruyter 1997, S. 207–212, hier S. 207. 
  1. Neu eingefügte Fußnote
    Alt: –
    8  Mary Douglas: Purity and Danger. An Analysis of Concepts of Pollution and Taboo (1966). London: Routledge 2004, S. 44 f.

Quellenkritische Diskussion ohne Nennung der Quellen

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Steffen Martus,

haben Sie besten Dank für Ihre Antwort vom 29. Mai 2013. Allerdings lässt Ihr Schreiben wesentliche Themenbereiche unserer Anfrage vom 24.05.2013 gänzlich unberührt bzw. geht so oberflächlich darauf ein, dass der Sachverhalt erneut verzerrt wird und die eigentlichen Probleme nicht zur Sprache kommen. So bestreiten Sie, dass die Rezension von Thomas Schwarz den höchst problematischen Eindruck erweckt, dass Kien Nghi Ha in seinem Buch „Unrein und vermischt“ unkritisch eine NS-belastete Literaturquelle benutzt hätte.

Sie schreiben: „Hier wird nicht behauptet, Herr Dr. Ha ‚habe auf eine unkritische Art und Weise NS-Literatur herangezogen‘, sondern es wird eine kritische Haltung gegenüber einem Text gefordert, der von den Positionen des ‚Kalten Krieges‘ geprägt sei, und diese politische Situation ist bekanntlich nach 1945 zu verorten. Es handelt sich hier um einen guten Beleg dafür, warum wir die von Herrn Ha geäußerte Gegenkritik für unzutreffend halten.“

Um uns ein umfassendes Bild zu machen und ihre Argumente zu hören, bitten wir Sie erneut darum, uns die von Ihnen erwähnte ausführliche Stellungnahme der IASL an den Presserat zu übersenden.

Wir möchte Sie jedoch auch erneut darauf hinweisen, dass Herr Ha seine Kritik bereits sehr differenziert und mit wissenschaftlichen Quellen fundiert begründet hat (siehe S. 17-21 seines Schreibens „Mehr als eine abgründige Rezension?“ vom 16.04.2012), die aber in Ihrer uns vorliegenden Entgegnung offensichtlich keine Rolle spielen. So hat Herr Ha darauf hingewiesen, dass der Rezensent eine Fußnote des besprochenen Werkes auf eine Weise problematisiert, die dazu geeignet ist, seine Arbeit und seinen Ruf als wissenschaftlicher Autor nachhaltig zu beschädigen. Wie ist es in der IASL möglich, dass ein Literaturhinweis auf das internationale Standardwerk von Hermann Bengtson, der den Aufstieg des persischen Königs Dareios II. in der Antike beschreibt, zum Anlass genommen wird, um einen so weitreichenden und ungerechtfertigten Eindruck zu konstruieren? Die Darstellung von Bengtson wird, wie Herr Ha belegt, auch von anderen Standardwerken wie etwa der Encyclopaedia Britannica geteilt.

Aufklärungsbedürftig ist nun, warum der Rezensent trotzdem einen NS-Bezug herstellt und Fachreferentin, Redaktion und die begutachtenden Herausgeber der IASL in diesem Fall nicht auf eine sprachlich unmissverständlich formulierte und durch Quellen belegte sachliche Darstellung bestehen.

Stattdessen ist in der Rezension zu lesen: „Has Annalen sind die Microsoft Encarta sowie eines der mit Vorsicht zu genießenden Werke des Historikers Hermann Bengtson, der seine Karriere als Mitglied der NSDAP begann und dessen Ausführungen über einen ‚barbarischen Osten‘ man vor dem Hintergrund des Kalten Krieges lesen muss.“

Diese Formulierung wirft nun viele Probleme auf, und es ist kaum zu glauben, dass ausgerechnet die IASL-Redaktion, die ihre Kernkompetenz in der Germanistik und Literaturwissenschaft sieht, trotz ausführlicher Lesehilfen die mit dieser Formulierung zusammenhängenden Probleme sich bis heute nicht bewusst gemacht hat bzw. diese wahrnehmen kann. So geht diese Formulierung das Risiko ein „missverstanden“ zu werden, da wir annehmen, dass weder der Rezensent noch die IASL die mehrfach preisgekrönte Studie von Kien Nghi Ha in ungerechtfertigter Weise diskreditieren wollen. Nichtsdestotrotz geht die Formulierung von Thomas Schwarz ein leicht vermeidbares Risiko ein, in dem der Rezensent sich dazu entschließt einen NS-Bezug herzustellen und mit vagen Andeutungen arbeitet. In diesem speziellen Fall hätte es zur Transparenz auch gehört, die Formulierung „barbarischer Osten“ als Eigenbegriff des Rezensenten zu kennzeichnen, da dieser Begriff im besprochenen Werk nicht vorkommt, obwohl die Anführungszeichen diese Fehlinterpretation nahelegt. Gerade bei diesem weitreichenden Vorwurf stellt sich hier insbesondere die Frage nach Redlichkeit, Transparenz und Verantwortung gegenüber einem jungen Nachwuchswissenschaftler, der einen rassifizierten Migrationshintergrund hat und von seiner sozio-kulturellen Herkunft her nicht wie Sie und ihre Kolleg_innen mehrheitlich zur Weißen universitären Elite gehört.

Wenn der Rezensent die Fußnote von Herrn Ha als Anlass für eine quellenkritische Problematisierung nutzen will, wäre es dann nicht seine Pflicht, seine Kritik nachvollziehbar zu erklären und mit Literaturhinweisen zu belegen? Dies ist aber nicht geschehen, da vollkommen mysteriös bleibt wie und an welcher Stelle in der von Kien Nghi Ha verwandten Stelle der Originalquelle sich „Positionen des Kalten Krieges“ eingeschrieben hätten und inwieweit diese wiederum mit der „NS-Karriere“ von Hermann Bengtson zusammenhängen. Wer eine solche Diskussion ausgehend von einer Fußnote aufmacht, steht in der Verantwortung unmissverständlich zu formulieren, seine Kritik inhaltlich mit Substanz zu füllen und mit Belegen nachvollziehbar zu arbeiten. Und wäre es nicht Aufgabe der IASL, für die Einhaltung wissenschaftlicher Mindeststandards zu sorgen? Es kann der IASL weder entgangen noch egal sein, dass Leser dieser Rezension nicht mal darüber aufgeklärt werden, welches der „mit Vorsicht zu genießenden Werke des Historikers Hermann Bengtson“ der Rezensent eigentlich meint und welches Werk Herr Ha in seiner Arbeit verwandt hat.

Warum ist es nach Meinung der IASL nicht nötig, im Rahmen der vom Rezensenten angerissenen quellenkritischen Diskussion wenigstens diese Quellen anzugeben? Kien Nghi Ha bezieht sich auf Hermann Bengtsons internationales Standardwerk „Griechen und Perser. Die Mittelmeerwelt im Altertum I“ von 1965, das in der monumentalen Reihe „Fischer Weltgeschichte“ veröffentlicht wurde und seitdem in mehreren Neuauflagen und Neuausgaben reproduziert wurde, so dass eine quellenkritische Diskussion zweifellos höchste Relevanz hätte. Sicherlich sind Sie auch der Auffassung, dass eine quellenkritische Diskussion nur dann Sinn macht, wenn auch die Quellen benannt werden, da ansonsten die Diskussion für Lesende nicht transparent und nachvollziehbar ist. Die Nicht-Nennung der Quelle führt dazu, dass in diesem Fall lediglich Herr Ha und seine Arbeit diskreditiert wird. Als Sprachwissenschaftler kann ihnen die Wichtigkeit der Kontextualisierung für Bedeutungsgebungsprozesse nicht entgangen sein.

Diese tendenziöse Passage bildet allerdings nur einen kleinen Teil der Gesamtproblematik ab, reiht sich aber jedoch gut darin ein. Angesichts der Vielzahl der Probleme mit dieser Rezension und dem bisherigen Beschwerdemanagement der IASL kann die Bearbeitung in diesem Brief nur exemplarisch sein. Wie Herr Ha überzeugend aufzeigt und jeder Leser nachvollziehen kann, ist die Buchbesprechung von Thomas Schwarz alles andere als wohlwollend, sondern sehr einseitig, tendenziös, vielfach mit Sachunkenntnis und Quellenfehlern behaftet, so dass die quellenkritische Diskussion und wissenschaftsmethodischen Ansprüche des Rezensenten unfreiwillig komisch wirken. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie die IASL in diesem Fall ihrer wissenschaftlichen „Qualitätsgarantie“ gerecht werden will.

Einen besonders gravierenden Fehler im Beschwerdemanagement stellen die intransparenten Online-Korrekturen trotz vorangegangener Zurückweisung der Kritik, der zur Publikation angebotenen Replik und des Dialogangebots von Kien Nghi Ha im Rahmen einer wissenschaftlichen Diskussion dar. Dass Sie ein solches Verfahren lediglich als „ungeschickt“ werten und sich im Übrigen massiv darüber beschweren, dass Herr Ha andere Institutionen in dieser Angelegenheit konsultiert, ist bedenklich und zeigt ein seltsames Wissenschafts- und Rechtsverständnis auf. Hat Herr Ha denn kein Recht, seine Rechte geltend zu machen und zuständige Institutionen anzufragen? Solange die Problemwahrnehmung nur auf Schadensbegrenzung in eigener Angelegenheit fokussiert bleibt, nachdem man einen Schaden angerichtet hat, kann es keine angemessene Aufarbeitung und Diskussion geben.

Trotzdem begrüßen wir es, dass die IASL langsam ihre bisherigen Positionen überdenkt, da diese sich auch für die IASL immer stärker als inhaltlich unhaltbar und strategisch als unklug erweisen. Hatte die IASL bisher immer abgestritten, dass nach der Erstveröffentlichung inhaltliche Veränderungen vorgenommen wurden, revidieren Sie nun diese Aussage, indem Sie inzwischen nur noch „substantielle Korrekturen“ bestreiten. Die Notwendigkeit von Korrekturen setzt allerdings die Existenz von Fehlern voraus. Wir hoffen, dass dieses Eingeständnis der IASL nur einen ersten Schritt darstellt und die IASL sich endlich ihrer Verantwortung stellt.

Sie kündigen an, dass die IASL demnächst „die erste Fassung der Rezension wieder ins Netz stellen“ wird. Dieser längst überfällige und erklärungsbedürftige Schritt bedarf einer Kontextualisierung und Erklärung. Kien Nghi Ha hat uns gegenüber seine Bereitschaft erklärt, mit der IASL im Rahmen dieser Aufarbeitung zu kooperieren. Wir fordern die IASL dringend dazu auf, die seit langem angebotene Dialogbereitschaft von Kien Nghi Ha endlich positiv zu beantworten und eine faire, ehrliche und selbstkritische Aufarbeitung zu ermöglichen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die IASL Kien Nghi Ha Raum für die Darlegung seiner Kritik zubilligt. Als Akademiker wie als politisch Denkender wissen Sie natürlich, dass eine faire Aufarbeitung und wissenschaftliche Diskussion nicht im Monolog und einseitigen Darstellungen bestehen kann. Daher ist es unvermeidlich und notwendig, die Perspektiven des Anderen einzubeziehen.

Wir sind besorgt, dass Kien Nghi Ha durch eine unsachliche, verkürzende und einseitige Darstellung und Bewertung in einer Art und Weise pathologisiert wird, die Gefahr läuft, rassistische Wahrnehmungen und Stereotypisierungen zu reproduzieren und ihn als Person denunziert. Umso größer schätzen wir seine Dialogbereitschaft trotz der negativen Vorerfahrungen mit der IASL ein. Mit Blick auf seine öffentlich zugängliche Dokumentation hat Kien Nghi Ha auch im persönlichen Gespräch bestätigt, dass es ihm vor allem um die Klärung der Frage geht, ob — wie von der britischen McPherson-Kommission definiert — dann von institutioneller Diskriminierung gesprochen werden kann, wenn die unprofessionelle Arbeitsweise einer Institution auch unintendiert zur Benachteiligung minoritär rassifizierter Individuen führt.

Es ist verwunderlich, dass Sie als Wissenschaftler anscheinend dem Presserat die abschließende Kompetenz bei der Beantwortung dieser Frage einräumen. Kien Nghi Ha hat den Presserat darum gebeten zu prüfen, ob hier eine institutionelle Diskriminierung vorliegt und nicht, ob er persönlich rassistisch beleidigt wurde. Natürlich kann der Presserat keine institutionalisierte Diskriminierung erkennen, weil er nicht mit diesem Begriff arbeitet. Wie antiquiert das Rassismusverständnis des Presserats ist, zeigt sich schon darin, dass er nicht einmal diesen Unterschied kennt. Dabei ist es essentiell diese wichtige und weitreichende Frage ernstzunehmen anstatt den Fragesteller für das Aufwerfen unangenehmer Fragen verbal und institutionell abzustrafen. Dass der Presserat trotz eindeutige Sachlage nicht mal die manipulativ wirkende Korrekturpraxis der IASLonline als presserechtlichen Verstoß wertet oder überhaupt irgendwelche Bedenken äußert, ist sachlich nicht nachvollziehbar und wirft kein gutes Licht auf die Unabhängigkeit und Unparteilichkeit des Presserats.

IASLonline: „so verständnislos und beleidigend verhalten und die Sachverhalte so verzerrt“

Anmerkung Auch auf Nachfrage des ADNB wollte Herr Prof. Dr. Martus die Stellungnahme der IASLonline nicht zur Verfügung stellen: Er schrieb am 19.06.2013: „Den Briefwechsel mit dem Presserat wollen wir nicht weitergeben – es tut mir leid, aber dies liegt an schlechten Erfahrungen mit Herrn Ha, der Schreiben von uns ohne vorherige Genehmigung nach Belieben veröffentlicht.“ Leider legt die IASLonline keinen Wert auf eine transparente Diskussion und nachvollziehbare Argumente, obwohl sie angeblich will, dass „jeder/r Leser/in [sich] ein eigenes Bild machen kann“. Eine Entgegnung auf das Schreiben von Prof. Dr. Martus findet sich hier.

Von: Prof. Dr. Steffen Martus
Institut für deutsche Literatur
Humboldt-Universität zu Berlin

An: Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin (ADNB) des
Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg (TBB)

29.05.2013

Beschwerde im Zusammenhang mit einer bei IASLonline erschienenen Rezension
Ihr Schreiben vom 24.05.2013

vielen Dank für Ihr o.g. Schreiben. Die Beschwerden von Herrn Dr. Kien Nghi Ha verfolgen uns nun schon sehr lange Zeit. Selbstverständlich haben wir uns intensiv inhaltlich mit den Argumenten von Herrn Ha auseinandergesetzt, zuletzt in unserer ausführlichen Stellungnahme alnlässlich von Herrn Has Beschwerde beim Presserat. Dort wurde im Blick auf das für Sie besonders relevante Thema der Diskriminierung eindeutig festgestellt, dass seine Beschwerde „unbegründet“ ist. Ich zitiere den entsprechenden Passus:

„Die Person des Beschwerdeführers als Buchautor wird an keiner Stelle der Rezension persönlich angegriffen. Der Vorwurf des Rassismus ist nicht nachvollziehar, weil es keinerlei Anhaltspunkte dafür gibt. Auch der Beschwerdeführer selbst hat keine tragfähigen Argumente diesbezüglich vorgetragen“.

Wir bedauern, dass Herr Ha selbst diese Schiedsstelle als unabhängige dritte Position nicht akzeptiert. Wir sind es müde, immer wieder auf dieselben Vorwürfe antworten zu müssen, weil Herr Ha von Institution zu Institution geht.

Wir haben uns im Zusammenhang mit der Beschwerde beim Presserat auch noch einmal zu der Behauptung geäußert, die Rezension lege nahe, wie es in Ihrem Schreiben heißt, Herr Ha „habe auf eine unkritische Art und Weise NS-Literatur herangezogen“. Der entsprechende Passus in der Rezension lautete folgendermaßen:

„Mit Bezug auf die »(griechischen) Geschichtsannalen« (S. 115) erklärt Ha, dass der barbarische Tyrann Dareios II. unehelicher Abstammung gewesen sei. Has Annalen sind die Microsoft Encarta sowie eines der mit Vorsicht zu genießenden Werke des Historikers Hermann Bengtson, der seine Karriere als Mitglied der NSDAP begann und dessen Ausführungen über einen ›barbarischen Osten‹ man vor dem Hintergrund des Kalten Krieges lesen muss.“

Hier wird nicht behauptet, Herr Dr. Ha „habe auf eine unkritische Art und Weise NS-Literatur herangezogen“, sondern es wird eine kritische Haltung gegenüber einem Text gefordert, der von den Positionen des „Kalten Kriegs“ geprägt sei, und diese politische Situation ist bekanntlich nach 1945 zu verorten. Es handelt sich hier um einen guten Beleg dafür, warum wir die von Herrn Ha geäußerte Gegenkritik für unzutreffend halten.

Dies gilt auch für die immer wieder ins Feld geführten Veränderungen an der Rezension, die keine substantiellen Korrekturen mit sich gebracht haben. Wir sehen aber inzwischen ein, dass unser Verfahren hier ungeschickt war, weil es Herrn Ha die Möglichkeit gibt, immer wieder grundsätzliche Verdächtigungen gegen uns zu lancieren. Wir werden daher in nächster Zeit auch die erste Fassung der Rezension wieder ins Netz stellen, so dass sich jeder/r Leser/in ein eigenes Bild machen kann. Bitte haben Sie noch ein wenig Geduld. Technisch ist die Möglichkeit eigentlich nicht vorgesehen, aber wie arbeiten daran.

Sie dürfen versichert sein, dass es unter den über 2100 bislang bei der IASLonline erschienenen Rezension keine Besprechung gibt, mit der wir uns länger befasst haben, als mit der Rezension zu Herrn Has Buch. Noch niemals zuvor hat sich ein rezensierter Autor so verständnislos und beleidigend verhalten und die Sachverhalte so verzerrt.

Mit freundlichen Grüßen im Namen der Herausgeber von IASLonline

Beschwerdebrief des Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin an IASLonline

Von: Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin (ADNB) des Türkischen Bund in Berlin-Brandenburg (TBB)

Berlin, den 24.05.2013

Beschwerde im Zusammenhang mit einer bei IASLonline erschienenen Rezension

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Steffen Martus (Humboldt-Universität zu Berlin),
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Oliver Jahraus (Ludwig-Maximilians-Universität München),
Sehr geehrte Frau Dr. Nina Ort (Ludwig-Maximilians-Universität München),

das Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin ist ein Projekt des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg und betreibt eine „Beratungsstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung“. Wir beraten und unterstützen Menschen, die aufgrund ihrer (zugeschriebenen) ethnischen Herkunft und/oder anderer Merkmale diskriminiert werden bzw. diskriminiert worden sind und setzen uns für ihre soziale, rechtliche und politische Gleichbehandlung ein.

In diesem Zusammenhang beraten und unterstützen wir Herrn Kien Nghi Ha, der sich aufgrund der von ihm erfahrenen Behandlung durch die IASLonline und den in diesem Kontext aufgeworfenen Fragen an uns gewendet hat.

Herr Ha berichtete uns folgenden Sachverhalt:

Am 10.03.2012 erschien auf der Webseite der peer reviewed Wissenschaftszeitung IASLonline unter der Überschrift „Hybridität – ein Abriss“ eine von Thomas Schwarz verfasste Rezension zu Herrn Has Buch „Unrein und vermischt“.

Am 15.04.2012 wendete sich Herr Ha per Mail an die IASLonline und legte in seinem Schreiben dar, dass sich die genannte Rezension sowohl inhaltliche als auch formbezogene Fehler beinhalte. Dabei arbeitete Herr Ha neben vielen anderen Punkten auch heraus, dass in der Rezension nahegelegt wird, er habe auf eine unkritische Art und Weise NS-Literatur herangezogen, ohne dass dies mit entsprechenden Quellen belegt wird. Herr Ha bat in seinem Schreiben um eine Prüfung seiner Beschwerde, eine Revision der Rezension sowie eine Stellungnahme zu den von ihm vorgebrachten Fragen innerhalb einer vierwöchigen Frist.

Am 17.04.2012, also zwei Tage später, erhielt Herr Ha von Seiten der Redaktion eine Antwort, in der ihm mitgeteilt wurde, dass die Rezension den wissenschaftlichen Standards der IASLonline entspräche, Kritik nicht immer im Sinne des rezensierten Autors sein müsse und von der Veröffentlichung von Revisionen oder Gegendarstellungen grundsätzlich abgesehen werde. Dem von Frau Nina Ort verfassten Schreiben sind keinerlei Hinweise auf eine Revision und auch keine greifbaren Antworten auf die von Herrn Ha im Sinne eines Dialogangebots gestellten Fragen zu entnehmen.

Am 23.05.2012 stellte Herr Ha bei einem erneuten Aufruf von Herrn Schwarz‘ Rezension auf den Seiten der IASLonline fest, dass diese an mindestens 13 Stellen geändert wurde, ohne dass  dies neben oder durch ein verändertes Ersterscheinungsdatum bzw. innerhalb einer editorischen Notiz kenntlich gemacht worden wäre. Dabei legt Herr Ha in einer von ihm angefertigten Gegenüberstellung[1] dar, dass die Veränderungen über die Korrektur von Tippfehler hinaus durchaus auch inhaltliche Punkte betreffen.

Von Seiten der IASLonline hat es seit dem Schreiben von Frau Ort vom 17.04.2012 keinen weiteren Versuch der Kontaktaufnahme zu Herrn Ha gegeben.

Der von Herrn Ha beschriebene Sachverhalt wirft in mehrerer Hinsicht Fragen auf. Herr Ha hat uns darüber informiert, dass er sich vor diesem Hintergrund bereits mit einer Beschwerde an den Presserat gewendet hat. Dort werden in erster Linie presserechtliche Belange verhandelt. Die Fragen, die im Folgenden kurz aufgegriffen und andiskutiert werden sollen, sind jedoch von einer anderen Qualität und eher im Sinne einer dialogischen Herangehensweise gedacht.

Mit Bezug auf die ursprüngliche Rezension stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass diese trotz einer ausgewiesenen „Qualitätsgarantie“ der IASLonline sowie einer auf der Webseite aufgelisteten Begutachtung durch Fachreferent_innen und Vorveröffentlichungskontrolle durch die Herausgeber_innen, falsche und teilweise tendenziöse Darstellungen enthält, die dazu geeignet sein können, das Ansehen des Rezensierten zu schaden. Konkret ist hiermit u.a. die von Herrn Ha in seiner Kritik an der Rezension herausgearbeitete Unterstellung gemeint, nach der ihm nahegelegt werde, er habe ohne kritische Distanz Literatur eines NS-nahen Wissenschaftlers verwendet. Selbstverständlich ist von Rezensionen zu fordern, dass diese mögliche Schwachstellen eines Werkes aufdecken, allerdings stellt sich im vorliegenden Fall die Frage, ob von Seiten der Verantwortlichen bei der IASLonline hier nicht hätte eingeschritten werden müssen, bewegt sich die Rezension doch in gewisser Weise im Grenzbereich zu einer möglicherweise diffamierenden Rufschädigung. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Mechanismen in Ihrer Institution dafür sorgen, dass Rezensionen entsprechende Grenzen nicht überschreiten und warum diese im konkreten Fall möglicherweise nicht oder nur ungenügend gegriffen haben.

Zweitens stellt sich mit Bezug auf die Art des Umgangs mit der von Herrn Ha vorgebrachten Beschwerde die Frage, wie es um das Beschwerdemanagement der IASLonline bestellt ist. So wurde Herr Ha zwar eine Art Eingangsbestätigung zu seiner Beschwerde zugesendet, allerdings lässt diese keinen Rückschluss darauf zu, dass auf der Seite der IASLonline eine Beschäftigung mit ihrem Inhalt stattgefunden hat. Dass in Folge jedoch mehrere Stellen der fraglichen Rezension verändert wurden, ohne dass dies kenntlich gemacht oder Herrn Ha mitgeteilt worden wäre, gibt der Angelegenheit eine andere Dimension. Mithin kann hier möglicherweise nicht mehr von einem Vorgehen nach dem üblichen Procedere bzw. einer reinen Fahrlässigkeit ausgegangen werden, sondern es drängt sich die Vermutung auf, dass von Herrn Ha nachgewiesene Schwachstellen unbesehen bereinigt werden sollten, ohne dass dies nach außen sichtbar wird. Ein solches Vorgehen ist für Beschwerdeführer_innen nicht nur unbefriedigend, sondern bedeutet vielmehr, dass sie in gewisser Weise als Person und in ihren Anliegen diskreditiert werden. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie das Beschwerdemanagement Ihrer Institution allgemein aussieht und in welcher Weise es im konkreten Fall zum Tragen gekommen ist.

Mit einer Bezugnahme auf den allgemeinen wissenschaftlichen Kontext und daraus abzuleitende Forderungen an konkrete Akteur_innen schließt an diese Überlegungen auch unsere dritte Fragestellung an. Dazu soll eingehend angemerkt werden, dass die Behandlungen, die Herrn Ha zu Teil wurden, insbesondere auch deshalb von einer Qualität sind, die die hier diskutierten Fragen aufwirft, weil es sich bei diesem um einen Nachwuchswissenschaftler of Color[2] handelt, der im weiß dominierten akademischen Mainstreams potentiell als Outsider positioniert wird. Die Erkenntnis, dass auch das wissenschaftliche Feld von Machtverhältnissen durchzogen ist, ist immer noch zu wenig im allgemeinen Bewusstsein verankert. Aus dieser Erkenntnis sollte jedoch nach Auffassung des Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin auch eine Selbstverpflichtung der im wissenschaftlichen Bereich tätigen Institutionen erwachsen, hinsichtlich potentieller (institutioneller) Diskriminierungen nicht nur sensibel zu sein, sondern sich proaktiv zu engagieren und im Fall der Fälle Verantwortung dafür zu übernehmen, den Wissenschaftsbetrieb diskriminierungsfreier zu gestalten. Im konkreten Fall würde dies zum Beispiel bedeuten, die von Herrn Ha vorgebrachte Beschwerde ernst zu nehmen und auch entsprechend detailliert zu bearbeiten sowie den Beschwerdeführer über die Vorgänge zu informieren und auf sein Dialogangebot einzugehen. Stattdessen lassen die von der IASLonline gezeigten Reaktionen bisher nicht den Eindruck entstehen, dass es sich hier um eine Institution handelt, die sich ihrer Verantwortung bewusst ist und danach agiert. Aus unserer Perspektive möchten wir hierzu anmerken, dass ein Beschwerdemanagement insbesondere im Kontext einer diskriminierungsbezogenen Thematik immer durch Klarheit, Nachvollziehbarkeit und eindeutige Verantwortlichkeiten gekennzeichnet sein sollte, da dies eine Vorbedingung dafür darstellt, dass (Diskriminierungs-)Beschwerden kompetent und seriös bearbeitet werden können. Hierzu sollte nach unserem Dafürhalten auch eine grundsätzliche Offenheit für Beschwerden und deren positive, Veränderung ermöglichende Dimensionen gehören.

Es ist insbesondere die mangelnde Sensibilität und die Nichtübernahme von Verantwortung, die Herr Ha im Umgang mit der sein Werk betreffenden Rezension und der sich daran anschließenden Beschwerde vermisst. Dabei ist es sein vorrangiges Ziel, Fragen aufzuwerfen, um so möglicherweise einen Veränderungsprozess in Gang zu setzen. Diesem Anliegen von Herrn Ha können wir uns als Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin nur anschließen und möchten Sie daher darum bitten, bis zum 10.06.2013 schriftlich zu der hier vorgetragenen Ausführungen und den darin aufgeworfenen Fragen Stellung zu nehmen.

[1] Eine ausführliche Darstellung des Sachverhalts und der in diesem Zusammenhang ausgetauschten Schreiben, findet sich auf einer von Herrn Ha veröffentlichen Webseite (https://colonialdisgust.wordpress.com).

[2] Die von uns verwendeten Begrifflichkeiten „weiß“ und „of Color“ bezeichnen nicht die Hautfarbe sondern die gesellschaftliche Position. Während weiße deutsche Menschen in Deutschland ungefragt als zur hiesigen Gesellschaft zugehörig wahrgenommen werden, wird Menschen of Color diese Zugehörigkeit häufig abgesprochen.

Eine Besprechung von 2012

Strenge Befragung mit den Mitteln der Diskursanalyse

„Die Einführung der Hybridität als ‚Konzept‘ in The Location of Culture durch Homi K. Bhabha seit den 1980er Jahren hat eine derartige Karriere erfahren, dass sie selbst jüngst zum Gegenstand einer ‚Kulturgeschichte der Hybridität‘ geworden ist. Kien Nghi Ha hat eine vielbeachtete Dissertation zur „Kulturgeschichte der Hybridität seit der Antike … mit einer kritischen Analyse der gegenwärtigen Obsession um kulturelle Hybridität als revolutionäres Technologiemodell, kulturindustrielle Massenkonsumware und Phänomen des postkolonialen Signifyings mit ihren potentiellen Widerstandsmöglichkeiten‘ vorgelegt. Ha unterzieht ‚den postmodernen Hype um Hybridität‘ (S. 17) eine strenge Befragung mit den Mitteln der Diskursanalyse, wie sie von Michel Foucault entwickelt worden ist. […] Auf die Frage nach dem Globalen und Homi K. Bhabha zurückkommend, lässt sich für das Buch von Kien Nghi Ha formulieren, dass es durchaus erstaunlich ist, wie die Hybridität mit der Diskursanalyse nach Foucault in einem kritischen Bestreben gelesen werden kann.“
The Endless Labour of Language – Homi K. Bhabhas Laureaten-Vortrag The Global Humanities an der Freien Universität, Night out@Berlin, 6 (2012)

Zwei neue Rezensionen zu „Unrein und vermischt“

Offensichtlich ist es ohne Probleme möglich auch zum Buch Unrein und vermischt. Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolonialen „Rassenbastarde“ (transcript, 2010) kritische und detailierte Rezensionen zu schreiben ohne dabei unfair oder verunglimpfend zu werden.

Ein überaus kluges Buch
„Nach den einflussreichen Publikationen wie etwa Ethnizität und Migration Reloaded (1999/2004) oder Hype um Hybridität (2005) legte der Politik- und Kulturwissenschaftler Kien Nghi Ha im Jahr 2010 mit Unrein und vermischt seine an der Universität Bremen erstellte Dissertationsschrift vor, deren Hauptanliegen darin begründet liegt, einem Begriff beziehungsweise dem ihm innewohnenden theoretischen Konzept nachzuspüren, das in der erweiterten Gegenwart sowohl in den Sozial- und Kulturwissenschaften als auch in der heterogenen Medienlandschaft eine steile Karriere hingelegt hat. […]
Abgesehen von dem teils anspruchsvollen und distinguierend wirkenden Sprachgebrauch, der bei der schriftlichen Kommunikation von Wissenshorizonten bei den eher theorielastigen Vertretern der Postcolonial Studies wie Bhabha, Hall, Gilroy und Spivak unlängst zum guten Ton avanciert ist, liegt mit der Untersuchung von Kien Nghi Ha ein überaus kluges Buch vor, dem eine breite, über die Grenzen der Sozial- und Kulturwissenschaft hinausgehende Leserschaft zu wünschen ist.“
In: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde, Nr. 57 (2013), S. 191-194

In der neuen Ausgabe des kulturwissenschaftlichen Zeitschrift KULT_online ist eine Doppelrezension zu meinen zwei jüngsten Buchpublikationen erschienen. Dabei wurde auch der bereits vielfach beachtete Sammelband Asiatische Deutsche. Vietnamesische Diaspora and Beyond (Assoziation A, 2012) rezensiert.

Hybridität Revisited: Karriere, Kritik und Alltag eines Starkonzepts
Das Konzept der Hybridität ist kaum noch wegzudenken aus den Kulturwissenschaften. Die 2010 erschienene Monografie Unrein und vermischt. Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolonialen »Rassenbastarde« des Kultur- und Politikwissenschafters Kien Nghi Ha schildert in kritischer Auseinandersetzung mit zeitgenössischen kulturwissenschaftlichen Rezeptionstendenzen in Deutschland die lange Karriere dieses Konzepts in der europäisch-deutschen Geistesgeschichte. Der Autor plädiert hier überzeugend für die Repolitisierung und Rekontextualiserung des modischen Begriffs. Im vom Ha editierten Sammelband Asiatische Deutsche. Vietnamesische Diaspora and Beyond von 2012 wird dieser Appell eindrucksvoll und ergiebig anhand der vietnamesisch-asiatischen Diaspora in Deutschland in die Tat umgesetzt, besonders vor dem Hintergrund rassistischer Fremdzuschreibungen und ermächtigender Selbstbestimmungen.“
In: KULT_online, Nr. 34 (2013)

Hybridity Revisited: Career, Critique, and Everyday Reality of a Star Concept
It’s hard to imagine the study of culture anymore without the concept of hybridity. The monograph Unrein und vermischt. Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolonialen »Rassenbastarde« (Impure and Mixed: Postcolonial Border Crossings through the Cultural History of Hybridity and Postcolonial „Racial Bastards“), published in 2010 by Kien Nghi Ha, describes the long career of this concept in the European and German history of ideas. The author, who is a scholar within the fields of cultural studies and political sciences, makes a convincing case for a renewed politicization und contextualization of this trendy term. In a collection of essays from 2012 edited by Ha, Asiatische Deutsche. Vietnamesische Diaspora and Beyond (Asian Germans: Vietnamese Diaspora and Beyond), this call is put into practice within the context of the Vietnamese-Asian diaspora in Germany in the most productive and impressive fashion, particularly against the background of racist stereotyping and empowering self-definitions.
In: KULT_online, Nr. 34 (2013)

Verleumdungsversuch auf Wikipedia

Wer sich gegen dominante Strukturen wehrt, muss damit rechnen diffamiert zu werden – besonders dann, wenn die Angreifenden anonym agieren können und sich in ihren Privilegien bedroht sehen. Nimmt man ihre vordergründigen Begründungen ernst, muss der Eindruck entstehen, dass es für diese Menschen nicht vorstellbar ist, dass eine Rezension fehlerhaft sein kann und es ein Recht gibt Rezensionen kritisch auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass diese Menschen vor allem ein Problem damit haben, dass ein asiatisch-deutscher Wissenschaftler das mangelhaft begründete Urteil eines Weißen Experten konterkariert und damit die Struktur Weißer Vorrechte in Frage stellt. Seitdem ich diesen Fall veröffentlicht und die Hintergründe transparent gemacht habe, gab es eine Reihe von aggressiven Reaktionen, die ganz offensichtlich auf persönliche Diffamierung und Pathologisierung zielen. Von welchen Personen diese anonymen Einschüchterungsversuche ausgehen, kann jede/r für sich selbst beantworten.
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