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Institutioneller Rassismus laut Macpherson-Report

19. September 2012

Institutioneller Rassismus wird von der Macpherson-Kommission der britischen Regierung (1999) definiert als das

„kollektive Versagen einer Organisation, Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Kultur oder ethnischen Herkunft eine angemessene und professionelle Dienstleistung zu bieten. Er [institutioneller Rassismus] kann in Prozessen, Einstellungen und Verhaltensweisen gesehen und aufgedeckt werden, die durch unwissentliche Vorurteile, Ignoranz und Gedankenlosigkeit zu Diskriminierung führen und durch rassistische Stereotypisierungen, die Angehörige ethnischer Minderheiten benachteiligen. Er überdauert aufgrund des Versagens der Organisation, seine Existenz und seine Ursachen offen und in angemessener Weise zur Kenntnis zu nehmen und durch Programme, vorbildliches Handeln und Führungsverhalten anzugehen. Ohne Anerkennung und ein Handeln, um solchen Rassismus zu beseitigen, kann er als Teil des Ethos oder der Kultur der Organisation weit verbreitet sein.“
Übersetzung von Mechthild Gomolla: Institutionelle Diskriminierung im Bildungs- und Erziehungssystem: Theorie, Forschungsergebnisse und Handlungsperspektiven, Februar 2008. http://www.migration-boell.de/web/integration/47_1495.asp (17.09.2012)

Im Englischen Original lautet die Definition wie folgt:
„6.34 Taking all that we have heard and read into account we grapple with the problem. For the purposes of our Inquiry the concept of institutional racism which we apply consists of:
The collective failure of an organisation to provide an appropriate and professional service to people because of their colour, culture, or ethnic origin. It can be seen or detected in processes, attitudes and behaviour which amount to discrimination through unwitting prejudice, ignorance, thoughtlessness and racist stereotyping which disadvantage minority ethnic people.
It persists because of the failure of the organisation openly and adequately to recognise and address its existence and causes by policy, example and leadership. Without recognition and action to eliminate such racism it can prevail as part of the ethos or culture of the organisation.“
http://www.archive.official-documents.co.uk/document/cm42/4262/sli-06.htm

„Institutional racism describes any kind of system of inequality based on race. It can occur in institutions such as public government bodies, private business corporations (such as media outlets), and universities (public and private). The term was introduced by Black Power activists Stokely Carmichael and Charles V. Hamilton in the late 1960s.[1] The definition given by William Macpherson within the report looking into the death of Stephen Lawrence was “the collective failure of an organisation to provide an appropriate and professional service to people because of their colour, culture, or ethnic origin”
Wikipedia: „Insitutional Racism“. http://en.wikipedia.org/wiki/Institutionalized_racism (19.09.2012).

Laut BBC ist der Macpherson-Report eines der wichtigesten Dokumente in der modernen Britschen Rechtsgeschichte:
„The inquiry into the failure of the original police investigation to find and convict Stephen’s killers, headed by Sir William MacPherson and which reported in 1999, became one of the most important moments in the modern history of criminal justice in Britain.
Famously concluding that the force was „institutionally racist“, it made 70 recommendations and had an enormous impact on the race relations debate – from criminal justice through to all public authorities.
Scotland Yard has made numerous changes in an attempt to stamp out racism, and all public bodies are now obliged to promote equality and tackle discrimination.“
BBC: Q&A: Stephen Lawrence murder, 05.05.2004, http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/3685733.stm (19.09.2012)

Dokumentation and weitere Informationen: www.colonialdisgust.wordpress.com
Offene Petition: https://www.openpetition.de/petition/online/aufklaerung-des-wissenschaftsskandals-in-der-iaslonline-oeffentliche-entschuldigung-der-herausgeber
Kontakt: decolonial_watch[at]gmx.de

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From → Beiträge

One Comment
  1. Darianne permalink

    Warum genau liegt dann in diesem Fall institutioneller Rassismus vor? OK, ich sehe eine mehrheitlich weiße Institution, in deren institutionellem Rahmen eine negative Rezension (über eine PoKo-Thema, was der Debatte natürlich noch mehr drive gibt) verfasst wurde, und die offenbar recht unprofessionell mit Repliken umgeht. Für eine Replik und Auseinandersetzung hätte ja Raum sein können, geht in anderen wissenschaftlichen Zeitschriften schließlich auch. Diese institutionelle Rahmung kann rassistische (oder auch klassistische – man ist ja unter Akademiker_innen) Praxen begünstigen, soweit klar. Aber worin genau manifestiert sich in diesem Fall, im Schreiben, oder im Handeln eine konkret rassistische Praxis? Wo finden sich hier „Vorurteile, Ignoranz und Gedankenlosigkeit“?

    Und am Rande frage ich mich auch, inwieweit es (subtilerweise) in diesem Blog auch darum geht, wer über welche Themen mit welcher Deutungshoheit sprechen soll, bzw. konkret darum dass Weiße wie Schwarz oder Dürbeck über PoKo-Themen schreiben, denn nicht umsonst hat das Blog ja den Titel an einen Aufsatz von Schwarz angelehnt: Führt das aus PoC-Perspektive zu Unbehagen?
    Und nein, ich bin gar keine Germanistin, ich mache mir nur so meine (selbst)kritischen Gedanken über Organisation, Ein- und Ausschlüsse in unseren ach so (post)liberalen scientific communities…

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